VEREINSCHRONIK

Aquarienfreunde 07/48
Mülheim a.d. Ruhr


Als sich 1907 Freunde der Aquaristik und Terraristik zur Vereinsgründung zusammenfanden, in dem das gemeinsame Hobby oder wie man damals sagte "Liebhaberei" gepflegt werden sollte, wählte man den recht geschäftsmäßig klingenden Namen

 

"GESELLSCHAFT FÜR AQUARIEN- u. TERRARIENKUNDE"

 

War dies schon eine Vorahnung um die spätere Bedeutung, ja sogar weltweiten Beachtung des Vereins, die zur dieser Namengebung führte?

Wohl kaum! Denn diese Entwicklung war sicher nicht geplant. Es sollte vielmehr der Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie das gesellige Beisammensein unter Gleichgesinnten im Vordergrund stehen.

 

Die Mitglieder trafen sich ein bis zweimal im Monat unter dem Vorsitz von Herrn A. Wille im Vereinslokal "Goethehaus", um sich mit Rat und Tat bei der Pflege der Tiere und Pflanzen beizustehen.

 

Man kann sich vorstellen, wie schwierig dies bei dem damaligen Stand der Technik und des Wissens war. Die von jedem Einzelnen oft mühsam erworbenen Erkenntnisse konnten so weitergegeben werden und waren oft von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Aquaristik u. Terraristik.

 

In Folge konnte man in zunehmenden Maße Experten zu Vortrags-veranstaltungen gewinnen, die im übrigen auch Nichtmitgliedern zugänglich waren.

Schon bald machte der Verein in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Vom Vorsitzenden A. Wille wurde die Aufstellung von Schauaquarien in den Mülheimer Krankenhäusern angeregt. Die Verwaltungen stimmten hier im Interesse der Kranken, die dadurch Ablenkung und Erbauung finden sollten, gerne zu. So konnten die Aquarien 1910 zur Freude der Kranken und des Pflegepersonals aufgestellt und betreut werden.

 

Um die überregionale Zusammenarbeit mit anderen Vereinen zu fördern, trat der Verein 1914 dem 1911 gegründeten VDA (Verband Deutscher Vereine für Aquarien- u. Terrarienkunde) bei.

 

In Verhandlungen mit der Stadtverwaltung wurde erreicht, daß ein in der Nachbarschaft leerstehendes Gebäude einer ehemaligen Ziegelei, für Vereinszwecke genutzt werden konnte. Nach mühevoller Instandsetzung der arg verwüsteten Räume, konnte Mitte des Jahres 1916 die erste Vereins-sitzung dort stattfinden.

 

Ein lang gehegter Wunsch war in Erfüllung gegangen.

Im Sitzungsbericht vom 21.04.1916 ist folgendes zu lesen:

 

Am 24. Juni fand zum ersten Male eine Sitzung in unserem Unterkunftsraume an den von uns von der Stadtverwaltung überwiesenen Saarner Tümpeln statt.

Nach Verlesung und Gutheißung des Sitzungsberichtes vom 10.06.1916 schilderte der Vorsitzende die bisher von unseren Mitgliedern geleistete Arbeit. Er erinnerte daran, wie fürchterlich es hier aussah. Lange Zeit hatte das Haus leer gestanden, ein Tummelplatz roher Straßenjugend, die hier wahrhaft verwüstend gehaust hatte.

 

Dann aber griffen helfende Hände ein. Die Frauen der Mitglieder räumten den Schutt weg, und bald glänzte der geschrubbte Fußboden vor Sauberkeit, nachdem Wände und Decken geweißt waren. Immer mehr Mitglieder fanden sich ein, um zu helfen. Das meiste Lob aber gebührt Herrn Niemann. Während wir kluge Reden redeten und hin und her überlegten, was und wie alles zu tun sei, griff Herr Niemann, ohne ein Wort zu sagen, tatkräftig zu, brachte die Fenster in Ordnung, sicherte die Tür gegen räuberische Überfälle usw.