So hatte das Aquarium in den Jahren vor Ausbruch des 2. Weltkrieges sogar einen eigenen Fänger an Bord des Wohrmann-Dampfers und wenn dann Telegramme z.B. aus Port Side oder Suez die Ankunft eines neuen Transports in Rotterdam ankündigten, war die Aufregung an der Delle groß. Die Haltung dieser empfindlichen, so überaus farbenprächtigen Korallenfische war in allen Aquarien der Welt damals äußerst schwierig.

 

Schon bald wurden die wissenschaftlichen Ergebnisse der Mülheimer Arbeit auch vom Ausland beachtet. Es ergaben sich Verbindungen nicht nur zu den Europäischen Tiergärten, sondern auch nach Übersee.

 

Um nur ein Beispiel zu nennen: In Medan auf Sumatra wurden von dem Deutschen Berthold ein Aquarium genau nach den von Mülheim zur Verfügung gestellten Plänen gebaut. Da hierfür keinerlei Honorar beansprucht wurde, sandte Herr Berthold unerhört wertvolle Tiere. Die große NetzGitterschlange (Pyhton), die größte in Deutschland gezeigte Schlange dieser Art war, war ein Teil des Dankes von Medan. Auch zwei ganz seltene Spitzschnauz-Krokodile (Gaviale) kamen nach Mülheim, die zwischen den Weltkriegen in keinem Tierpark Deutschlands zu sehen waren.

 

Die Ergebnisse der Laboratoriumsarbeit wurden in wissenschaftlichen Kreisen, auch im Ausland anerkannt und führten zu vielen Anfragen sowie Aufforderungen zu Vorträgen.

 

Bei der Haltung der Korallenfische der Südsee war ein besonderes Arbeitsgebiet die Symbiose, d.h. die Lebensgemeinschaft zwischen Korallenfischen und Blumentieren wie Seerosen etc.. Solche Symbiosen waren schon wiederholt in größeren Aquarien Deutschlands zustande gekommen, aber es handelte sich dann immer um Blumentiere aus der Nordsee, Pferderosen etc..

Im Mülheimer Aquarium wurde dann zum ersten Mal in Deutschland eine Riffanemone der Südsee in Symbiose mit 30 Orange-Ringelfischen gezeigt. Diese Tiere wurden vom Zoologische Garten Rotterdam als Dank für häufige Beratungen gespendet.

 

Die Arbeiten und Erfolge der "Schmalspur-Zoologen" der Delle wurden immer mehr beachtet und so kam es eines Tages zu einem denkwürdigen Besuch. Der internationale Verband der Zoodirektoren, der in Deutschland tagte, stattete dem Mülheimer Aquarium einen Besuch ab. Es wird jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben, wie begeistert diese Herren waren, die selbst zum Teil lange Jahre in den Tropen gelebt hatten; bei diesem Besuch waren vier Arten von Korallenfischen in über 100 Exemplaren die in Symbiose lebten zu bewundern.

 

Gerade die Anerkennung durch diese Fachleute war ein Beweis, daß die Zuschüsse und Spenden wirklich gut angewendet wurden, so daß ein weiterer Ausbau möglich war.

Noch im Winter 1938/39 wurde ein Anbau durchgeführt, in dem eine Versuchsstation zur Erforschung und Bekämpfung der gefürchteten Korallenfisch-Krankheit untergebracht wurde.

Auch der bekannte schwedische Forscher Sven Hedin war eines Tages Gast im Mülheimer Aquarium.


Prof. Dr. Lutz Heck, der weltbekannte Leiter des Berliner Zoologischen Gartens war mittlerweile Leiter der Obersten Naturschutzbehörde. Er berief Dr. Kramer zum Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Aquarien u. Terrarien-Vereine und beauftragte ihn mit der Durchführung einer Vebandstagung in Mülhem. Es waren damals vielleicht 1000 Teilnehmer in der Stadthalle versammelt.

Nach Ablauf der wissenschaftlichen Vorträge gab Prof. Heck den Mülheimern den Auftrag, ein volkstümliches Aquarienbuch zu schaffen.

Obwohl die oberste Naturschutzbehörde selbst einen Betrag zur Verfügung stellte und auch die Stinnes-Stiftung wieder eingriff, konnte das Anfang des Krieges abgelieferte Manuskript nicht zum Druck gelangen, da von Seiten des Ministeriums kein Papier zur Verfügung gestellt wurde, weil keine politische Einleitung vorlag.

 

Das Buch ist aber dann doch durch den sehr geschickten Verleger noch während des Krieges in Prag gedruckt worden.

dem Buch mit dem volkstümlichen Titel

 

"KRAMER - WEISE, AQUARIENKUNDE"

 

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